„Kein Symbol hat echtes Sein im Geiste, wenn es nicht echtes Sein im Leibe hat.“
ATMA Touch® – Fühlen lernen
Lehr- und Trainingsmethode für erfüllende Intimität, Nähe und Distanz
Wissenschaftliche Grundlagen
ATMA Touch® ist eine körperorientierte Lehr- und Trainingsmethode. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus Psychologie, Sexualwissenschaft, Lern- und Neurowissenschaften bilden den fachlichen Bezugsrahmen für die Inhalte und Themen des Trainings: Sie bieten fachliche Orientierung und sind nicht mit einem Wirksamkeitsnachweis der Methode gleichzusetzen. Hier findest du die fachlichen Grundlagen kurz und kompakt.
Wissenschaftliche Grundlagen
ATMA Touch® ist eine körperorientierte Lehr- und Trainingsmethode und keine Psychotherapie. Ich bin Trainerin für Körpersensibilisierung, keine Psychotherapeutin, keine Ärztin und keine Lebens- und Sozialberaterin. Die auf dieser Seite beschriebenen psychotherapeutischen und körperorientierten Ansätze sind fachliche und theoretische Einflüsse auf die Entwicklung von ATMA Touch®. Sie werden im Training nicht zur Behandlung psychischer Erkrankungen oder persönlicher Probleme eingesetzt, sondern als Grundlage für körperorientiertes Lernen und die Entwicklung konkreter Kompetenzen.
Was die Forschung über Nähe, Grenzen und sexuelles Erleben zeigt
Verbundenheit und Eigenständigkeit als Grundlage erfüllender Intimität
ATMA Touch® beschäftigt sich mit Körperwahrnehmung, Autonomie, Grenzen, Kommunikation, Nähe und Intimität: Diese Themen werden in Psychologie, Sexualwissenschaft und Paarforschung aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht. Dabei zieht sich durch viele Forschungsansätze ein roter Faden: Erfüllende Intimität braucht sowohl Verbundenheit als auch Eigenständigkeit. Die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und auch in enger Beziehung zu vertreten, steht in engem Zusammenhang mit erfüllender Intimität, Sexualität und Beziehungszufriedenheit.
Autonomie und Selbstdifferenzierung
In der Paar- und Sexualforschung wird die Fähigkeit, auch in enger emotionaler Beziehung ein eigenes Selbstgefühl zu bewahren, als Selbstdifferenzierung beschrieben. Forschung von Luana Cunha Ferreira zeigt Zusammenhänge zwischen Selbstdifferenzierung, sexuellem Verlangen, Intimität und Beziehungszufriedenheit. Dabei wird deutlich: Nähe und Eigenständigkeit sind keine Gegensätze. Gerade die Fähigkeit, bei sich zu bleiben ist eine wichtige Voraussetzung für erfüllende Intimität.
Grenzen und sexuelles Selbstbestimmungsrecht
Ein wesentlicher Aspekt sexueller Selbstbestimmung ist die Möglichkeit, frei Ja und Nein sagen zu können. Die Forschung zur sogenannten Sexual Compliance untersucht Situationen, in denen Menschen sexuellen Aktivitäten zustimmen, obwohl sie diese nicht möchten. Dabei spielen unterschiedliche Motive eine Rolle: der Wunsch nach Nähe und Beziehungserhalt, aber auch die Vermeidung von Konflikten. Dabei wird deutlich: Sexuelle Selbstbestimmung braucht die Fähigkeit, eigene Wünsche und Grenzen wahrzunehmen und sie auch auszudrücken. Diese Fähigkeit ist ein zentraler Lernbereich von ATMA Touch®: Nur wer klar Nein sagen kann, kann auch aus ganzem Herzen Ja sagen.
Kommunikation und sexuelle Motivation
Auch wie Menschen sexuelle Begegnungen initiieren und miteinander gestalten, spielt eine Rolle beim Erleben erfüllender Intimität. Studien von Amy Muise unterscheiden beispielsweise zwischen Annäherungszielen (z.B. dem Wunsch nach Nähe und gemeinsamem Erleben) und Vermeidungszielen (z.B. dem Wunsch, Konflikte zu vermeiden). Annäherungsorientierte sexuelle Motivation war dabei mit erfüllenderem sexuellem und partnerschaftlichem Erleben verbunden. Dise Forschung unterstreicht einen zentralen Gedanken von ATMA Touch®: Intimität entsteht dort, wo Menschen aus ihrem Empfinden und freier Entscheidung heraus Nähe gestalten – nicht aus Druck, Pflicht oder Angst.
Was diese Erkenntnisse für ATMA Touch® bedeuten
ATMA Touch® übersetzt wissenschaftliche und theoretische Erkenntnisse nicht in Therapie (Reparatur „kaputter“ Menschen), sondern in Lehre und Training (Vermittlung allgemeiner Kompetenzen an Menschen mit Eigenverantwortung): Die Methode macht Themen wie Körperwahrnehmung, Grenzen, Kommunikation, Nähe und Intimität praktisch erfahrbar – durch Wissen, Wahrnehmung, Übungen und eigene Erfahrung. ATMA Touch® ist eine Lehr- und Trainingsmethode. Wissenschaftliche Erkenntnisse bilden dabei den fachlichen Bezugsrahmen; sie sind kein Wirksamkeitsnachweis für die Methode selbst.
Was die Forschung über Körperwahrnehmung und körperorientiertes Arbeiten zeigt
Körper und psychisches Erleben sind miteinander verbunden
Forschung zu Embodiment, Körperwahrnehmung und körperorientierten Interventionen zeigt, dass körperliche Prozesse und psychisches Erleben eng miteinander verbunden sind. Wahrnehmung, Emotion, Aufmerksamkeit und körperliche Zustände beeinflussen sich gegenseitig. Körperbezogene Zugänge können deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu rein kognitivem Lernen und Arbeiten darstellen.
Auch die Forschung zu Körperpsychotherapie weist auf mögliche positive Effekte körperorientierter Verfahren hin. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse fand Hinweise auf mittlere Effekte auf psychische Belastung und psychopathologische Symptome. Gleichzeitig ist die Studienlage noch begrenzt und die untersuchten Verfahren sind sehr unterschiedlich. Weitere hochwertige Forschung ist notwendig, um die Wirksamkeit einzelner körperpsychotherapeutischer Ansätze genauer beurteilen zu können.
Körperwahrnehmung als Zugang zu Selbstregulation
Ein weiterer Forschungsbereich beschäftigt sich mit der Frage, wie die bewusste Wahrnehmung körperlicher Zustände mit emotionaler Regulation und dem Umgang mit Belastung zusammenhängt. Dabei geht es unter anderem darum, körperliche Signale wahrzunehmen, zu unterscheiden und mit ihnen bewusst umzugehen. Für ATMA Touch® ist insbesondere dieser Gedanke relevant: Körperwahrnehmung kann eine Grundlage dafür sein, eigene Zustände, Bedürfnisse und Grenzen differenzierter wahrzunehmen. Im Training wird diese Fähigkeit nicht als Therapie eingesetzt, sondern als körperbezogene Kompetenz vermittelt und praktisch geübt.
Was diese Erkenntnisse für ATMA Touch® bedeuten
Die wissenschaftliche Forschung liefert damit einen fachlichen Bezugsrahmen für die Entscheidung, Körperwahrnehmung und körperliche Erfahrung in den Lernprozess einzubeziehen. Sie liefert jedoch keinen Wirksamkeitsnachweis für ATMA Touch® und auch keinen Nachweis dafür, dass die konkreten Methoden der Integrativen Körperpsychotherapie oder der bindungsorientierten Körperpsychotherapie nach Thomas Harms in ATMA Touch® wirksam sind.
Diese Ansätze gehören deshalb zu den theoretischen Einflüssen der Methode, während die Forschung zu Körperwahrnehmung, Embodiment und körperorientierten Verfahren Teil der wissenschaftlichen Grundlagen ist.
Was die Forschung über Lernen durch Erfahrung und Tun zeigt
Lernen verändert das Gehirn
Lernen verändert das Gehirn. Wenn wir neue Erfahrungen machen und neue Fertigkeiten wiederholt üben, können sich neuronale Verbindungen verändern, verstärken und neu organisieren. Diese Fähigkeit des Gehirns wird als Neuroplastizität bezeichnet. Forschung zeigt, dass Lernen und Erfahrung mit Veränderungen an synaptischen Verbindungen und in der Organisation neuronaler Netzwerke verbunden sind. Dabei spielen unter anderem die Häufigkeit und Dauer des Übens, die Bedeutung einer Erfahrung und die aktive Beteiligung der lernenden Person eine Rolle.
Verstehen ist nicht dasselbe wie Können
Lernen ist dabei mehr als die Aufnahme von Informationen. Etwas zu verstehen ist nicht dasselbe wie es zu können. Wir können wissen, wie wir eine Grenze wahrnehmen oder ausdrücken möchten, ohne sie in einer konkreten Situation tatsächlich spüren und vertreten zu können. Ebenso können wir theoretisch verstehen, wie bewusste Berührung funktioniert, ohne bereits über die körperliche Fähigkeit zu verfügen, Berührung aufmerksam wahrzunehmen, fein zu dosieren oder eigene Grenzen dabei zuverlässig zu berücksichtigen.
Körperbezogene Kompetenzen entstehen durch Erfahrung
Gerade bei körperbezogenen Kompetenzen spielt deshalb Erfahrungslernen eine wichtige Rolle. Wahrnehmung, Bewegung und Handlung sind miteinander verbunden: Wir lernen nicht nur über das Nachdenken über eine Erfahrung, sondern auch dadurch, dass wir etwas tun, Unterschiede wahrnehmen, Rückmeldung erhalten, ausprobieren und wiederholen. Durch wiederholtes Üben können sich Fertigkeiten zunehmend automatisieren und werden in konkreten Situationen leichter abrufbar.
Körper, Wahrnehmung und Handlung gehören zusammen
Das gilt auch für Kompetenzen, die auf den ersten Blick weniger „motorisch“ erscheinen. Eine Grenze zu erkennen, die eigene Reaktion auf Nähe wahrzunehmen, zwischen Anspannung und Entspannung zu unterscheiden oder einen Wunsch deutlich auszudrücken, sind nicht ausschließlich kognitive Vorgänge. Sie beziehen den Körper und die eigene Wahrnehmung mit ein. Körperbezogene Kompetenz entsteht deshalb nicht allein durch Wissen, sondern durch die Verbindung von Verstehen, Wahrnehmen und Handeln.
Erfahrung wird durch bewusstes Üben zu Lernen
Erfahrungslernen bedeutet dabei nicht, dass jede Erfahrung automatisch zu Lernen führt. Entscheidend ist, dass Erfahrungen bewusst wahrgenommen, eingeordnet und wiederholt erprobt werden können. Aufmerksamkeit, eigene Entscheidung, Rückmeldung und wiederholtes Üben unterstützen diesen Lernprozess. Gerade bei sensiblen Themen wie Grenzen, Nähe und Berührung ist zudem entscheidend, dass Lernen unter Bedingungen stattfindet, in denen die eigene Wahrnehmung und Entscheidung respektiert werden.
Was diese Erkenntnisse für ATMA® Touch bedeuten
Deshalb steht bei ATMA Touch® neben dem Verstehen vor allem das praktische Erproben und wiederholte Tun im Mittelpunkt: wahrnehmen, unterscheiden, Grenzen spüren, Ja und Nein verkörpern, Nähe und Distanz gestalten, Berührung geben und empfangen und die eigene Wahrnehmung in Kommunikation übersetzen. Die Teilnehmenden sollen neue Möglichkeiten nicht nur intellektuell verstehen, sondern als konkrete Erfahrung machen, wiederholen und zunehmend als eigene Kompetenz verfügbar machen.
Das bedeutet nicht, dass ATMA Touch® durch diese wissenschaftlichen Erkenntnisse als Methode wirksamkeitsgeprüft oder wissenschaftlich validiert wäre. Die Forschung zu Neuroplastizität und Erfahrungslernen liefert vielmehr eine wissenschaftliche Grundlage für die Entscheidung, Lernen nicht auf Wissensvermittlung zu beschränken, sondern praktische Erfahrung und Übung einzubeziehen. Kurz gesagt: Wissen kann Orientierung geben. Erfahrung macht Wissen anwendbar. Übung hilft dabei, aus einer Möglichkeit eine Kompetenz werden zu lassen.
Kontakt
Institut ATMA – Sensibilisierung von Körper und Seele
Mag. Atma Pöschl
Hütteldorferstrasse 329/2/4
A-1140 Wien
UID: ATU 65403556
Mail: kontakt (at) institut-atma.at
Web: www.institut-atma.at

