„Find your true weakness and surrender to it. Most people use their strengths to overcome or cover up their weaknesses: Those few who use their strengths to incorporate their weaknesses, who don’t divide themselves, are very rare; they lead their generation.“
Moshé Feldenkrais
Unsere Vision
Frieden finden in uns selbst
und Veränderung in der Welt
Als Institut ATMA arbeiten wir mit Berührung, Intimität, Sexualität, Nähe und Distanz. Damit berühren wir sowohl persönliche Erfahrungen als auch gesellschaftliche Fragen: Wie entstehen Vorstellungen von Nähe, Sexualität und Grenzen? Was hat das mit Macht, Gewalt und gesellschaftlichen Normen zu tun? Unsere Vision ist eine Welt, in der Menschen sich selbst spüren, ihre Grenzen kennen und Nähe selbstbestimmt gestalten können. Auf den folgenden Seiten beschreiben wir, was uns dabei leitet, welche gesellschaftlichen Veränderungen wir für notwendig halten und warum bewusste Arbeit mit Sexualität für uns immer auch politische Arbeit ist.
Unsere Vision
Frieden finden in uns selbst
Und Veränderung in der Welt
Erfüllende Intimität ist kein Zufall, sondern eine Fähigkeit, die wir alle entwickeln können: Davon sind wir überzeugt. Dazu gehört, den eigenen Körper zu spüren. Die eigenen Grenzen wahrzunehmen. Nein sagen zu können und Ja sagen zu können. Nähe zuzulassen, ohne sich selbst zu verlassen. Distanz herstellen zu können, ohne den Kontakt zu verlieren. Und Berührung zu geben und anzunehmen, ohne dass daraus ein Anspruch entsteht. Nur wer klar Nein sagen kann, kann aus ganzem Herzen Ja sagen.
Aggression und Sexualität sind starke menschliche Kräfte. Sie können zerstörerisch werden – oder uns dabei helfen, für uns einzustehen, Unterschiede auszuhalten, Grenzen zu setzen, Kontakt zu gestalten und lebendig zu sein. Wenn wir unsere Kraft kennen, wissen wir um unseren Wert. Wir müssen andere nicht erniedrigen, um uns selbst groß zu fühlen, und niemanden auf einen Sockel stellen, um unseren eigenen mickrigen Selbstwert zu vergessen. Echte Kraft braucht keine Härte, sondern die Fähigkeit, verletzlich zu sein. Unsere Vision ist eine Welt, in der Menschen ihre Kraft kennen, ihre Verletzlichkeit nicht verleugnen müssen und einander nicht benutzen, um sich selbst zu spüren.
Frieden beginnt im Körper, nicht im Kopf
Wir können über Selbstbestimmung reden – und uns trotzdem nicht trauen, Nein zu sagen. Wir können über Gleichberechtigung sprechen – und trotzdem gelernt haben, unseren Körper den Erwartungen anderer unterzuordnen. Wir können wissen, dass Berührung schön sein kann – und gleichzeitig nicht wissen, wann sie wirklich willkommen ist. Körperwissen ist deshalb politisches Wissen. Was wir über Nähe, Distanz, Berührung, Sexualität und Grenzen gelernt haben, entsteht nicht im luftleeren Raum: Es wird uns von Menschen, Familien, Institutionen und gesellschaftlichen Normen vermittelt. Wir lernen, was erwünscht ist, sich gehört und angeblich normal ist. Wir lernen, wann wir verfügbar sein und funktionieren sollen. Und wir lernen ebenso, unseren Körper zu verlassen, wenn etwas zu viel wird.
Wir wollen eine Welt, in der Menschen ihren Körper nicht gegen sich selbst einsetzen müssen, um dazuzugehören. In der ein Nein nicht als Kränkung verstanden wird. In der ein Ja nicht als Freibrief gilt. In der Nähe nicht mit Verfügbarkeit verwechselt wird und Sexualität nicht mit Leistung. Verbindung mit anderen beginnt mit Verbindung zu uns selbst. Deshalb beginnt auch Veränderung beim Spüren: nicht als Rückzug ins Private, sondern als Voraussetzung dafür, wie wir miteinander leben.
Die Welt verändern
Wie Gewalt wirkt, wird in Menschen, Beziehungen und gesellschaftlichen Strukturen sichtbar: Emotionale, körperliche und sexuelle Gewalt sind keine isolierten Einzelfälle. Sie entstehen und bestehen in sozialen Zusammenhängen und werden ermöglicht durch Machtverhältnisse, Abhängigkeiten, Schweigen, Scham, ökonomische und soziale Ungleichheit sowie durch Vorstellungen davon, wie Männer, Frauen und andere Menschen zu sein haben. Auch unser Umgang mit Sexualität ist davon geprägt. Sexuelle Gewalt hat deshalb nicht nur mit dem Verhalten einzelner Menschen zu tun: Wir müssen uns auch fragen, wie die Verhältnisse beschaffen sind, die dieses Verhalten ermöglichen.
Wer darf begehren? Wer soll verfügbar sein? Wer entscheidet über wessen Körper? Wer darf Grenzen setzen? Wessen Nein wird ernst genommen – und wessen nicht? Wer wird für seine Sexualität beschämt und wer dafür belohnt? Wer lernt, sich selbst zu spüren – und wer lernt, die eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer hintanzustellen? Wir wollen diese Fragen nicht ausblenden. Bewusste Arbeit mit Körper, Grenzen, Nähe, Distanz und Sexualität ist für uns deshalb immer auch politische Arbeit.
Hilfe und Gewalt ergeben ein Ganzes
In seinem „Badener Lehrstück vom Einverständnis“ beschreibt Bertolt Brecht eine Clownnummer, in der Menschen einem Menschen helfen: Herrn Schmitt, dem Riesenclown. Die beiden anderen Clowns leisten ihm mit äußerster Konsequenz Hilfe. Erst arschkriechend, dann zunehmend gewalttätig. Sie sägen ihm zuerst den einen Fuß ab, der ihm schmerzt, dann den anderen. Sie schrauben das linke Ohr ab, sägen den linken Arm ab, nehmen die obere Kopfhälfte weg, um die dummen Gedanken loszuwerden, und schließlich den ganzen Kopf. Zurück bleibt ein hilflos am Rücken liegender Rumpf. Herr Schmitt bedankt sich herzlich für die Hilfe. „Also sollt ihr nicht Hilfe verlangen, sondern die Gewalt abschaffen“, fordert Brecht 1929. „Hilfe und Gewalt ergeben ein Ganzes. Und das Ganze muss verändert werden.“
Dieser Gedanke ist für uns zentral. Denn auch gute Absichten können Teil eines Systems werden, das Menschen klein hält. „Passive Opfer“ sind beliebter als „aktive Täter_innen“.
Wir wollen Menschen nicht nur dabei unterstützen, mit den Folgen gesellschaftlicher Verhältnisse besser zurechtzukommen. Wir wollen fragen, welche Verhältnisse Menschen dazu bringen, sich selbst zu verlassen, ihre Grenzen nicht wahrzunehmen oder Gewalt als Normalität zu akzeptieren. Die entscheidende Frage ist nicht: Wie machen wir Menschen wieder funktionsfähig? Sondern: Was müssen wir verändern, damit Menschen selbstbestimmt, verbunden und ohne Gewalt miteinander leben können?
Und das Ganze muss verändert werden
Unsere Gesellschaft ist gleichzeitig körperfeindlich und körperbesessen. Sie verlangt Selbstkontrolle und verkauft gleichzeitig grenzenlose Selbstoptimierung. Sie macht Sexualität allgegenwärtig und spricht gleichzeitig kaum darüber, was Intimität tatsächlich bedeutet. Sie sexualisiert Körper und beschämt sie. Sie fordert Nähe und produziert Einsamkeit. Sie spricht von Freiheit und lässt Menschen oft nicht lernen, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen. Die Sau rauslassen und Sexualität unterdrücken sind dabei keine Gegensätze. Sie können zwei Seiten derselben Kultur sein: einer Kultur, die den lebendigen, widersprüchlichen und verletzlichen Menschen nicht aushält.
Auch Religionen haben Körper, Sexualität, Schuld und Zugehörigkeit immer wieder miteinander verknüpft. So manche Religion erklärt Hilfsbedürftigkeit zur gottgegebenen Wahrheit. In der katholischen Tradition wird Sexualität über die Erbsündenlehre mit Schuld verbunden. Solche Vorstellungen können Abhängigkeit schaffen: von Institutionen, von Autoritäten, von Vorstellungen darüber, was rein und was schmutzig, was erlaubt und was verboten ist. Und doch finden sich innerhalb derselben religiösen Überlieferungen andere Bilder. Das im 20. Jahrhundert wiederentdeckte Philippusevangelium bezeichnet Maria Magdalena als Gefährtin Christi: „Der Erlöser liebte sie mehr als alle Jünger und küsste sie oft auf ihren Mund.“ Unabhängig davon, wie man diese Überlieferung historisch oder religiös bewertet, verweist sie auf etwas, das uns interessiert: Es gibt nicht die eine Geschichte über Körper, Sexualität, Nähe und Macht. Es gibt konkurrierende Erzählungen darüber, wie Menschen miteinander leben können.
Wir wollen unsere eigene Erzählung nicht als Dogma setzen: Wir wollen Räume schaffen, in denen Menschen erfahren können, dass Körperlichkeit, Sexualität, Grenzen, Kraft und Verletzlichkeit – als Voraussetzung echter Kraft – miteinander gedacht werden können.
Bewusste Arbeit mit Sexualität ist politisches Statement
Sexualität ist niemals nur privat. Wer über Sexualität spricht, spricht auch über Macht, Geschlecht, Körpernormen, Begehren, Scham, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung. Deshalb verstehen wir bewusste Arbeit mit Sexualität auch als politisches Statement. Nicht, weil es eine bestimmte Form von Sexualität gäbe, die für alle richtig wäre. Sondern weil wir dafür eintreten, dass Menschen ihre Sexualität selbstbestimmt gestalten können: Ohne Zwang. Ohne Beschämung. Ohne die Vorstellung, dass ein Körper verfügbar sein muss, um geliebt zu werden. Ohne die Vorstellung, dass ein Nein etwas ist, das überwunden werden muss. Ohne die Vorstellung, dass ein Ja automatisch Zustimmung zu allem bedeutet. Und ohne die Vorstellung, dass Intimität erst dort beginnt, wo Nacktheit oder sexuelle Handlung beginnt. Intimität beginnt dort, wo Menschen miteinander in Kontakt sein können, ohne sich selbst dafür aufgeben zu müssen.
Grenzen schaffen Kontakt
Grenzen sind für uns keine Mauern. Sie sind eine Voraussetzung für Beziehung: Wo ein Nein möglich ist, bekommt ein Ja Bedeutung. Wo Distanz erlaubt ist, kann Nähe freiwillig werden. Wo Menschen ihre eigenen Empfindungen wahrnehmen, können sie auch die Empfindungen anderer besser berücksichtigen. Grenzen verhindern Kontakt nicht. Bewusste Grenzen machen echten Kontakt überhaupt erst möglich.
Deshalb steht die Fähigkeit, Grenzen wahrzunehmen, zu verkörpern und zu kommunizieren, im Zentrum von ATMA Touch®: Wir wollen keine Menschen hervorbringen, die besser funktionieren. Wir wollen Menschen darin stärken, wahrzunehmen: Was ist meins? Was ist deins? Was will ich? Was will ich nicht? Was fühlt sich stimmig an? Was braucht mehr Zeit? Wo möchte ich näher kommen? Wo brauche ich Abstand? Und wie können wir darüber miteinander in Kontakt bleiben?
Selbstermächtigung statt Abhängigkeit
Wir glauben nicht daran, dass Menschen dauerhaft professionelle Hilfe brauchen sollten, um mit ihrem eigenen Körper in Kontakt zu sein. Professionelle Räume können wertvoll sein. Training kann neue Erfahrungen ermöglichen. Wissen kann Orientierung geben. Aber das Ziel ist nicht Abhängigkeit: Das Ziel ist Kompetenz. Menschen sollen lernen, selbst zu spüren, zu unterscheiden, zu entscheiden und zu gestalten: Das gilt besonders dort, wo Menschen gelernt haben, ihren Körper und ihre Bedürfnisse anderen zu überlassen. Eine Kultur der Selbstbestimmung braucht Menschen, die ihre Grenzen kennen. Eine Kultur der Verbundenheit braucht Menschen, die sich selbst spüren. Eine Kultur ohne Gewalt braucht Menschen, die Nein sagen können. Und Menschen, die ein Nein aushalten.
Verschieden sein und verbunden bleiben
Wir wollen keine Welt, in der alle gleich fühlen, gleich lieben, gleich leben oder dieselben Bedürfnisse haben: Wir wollen eine Welt, in der Verschiedenheit nicht automatisch Hierarchie bedeutet (Nähe und Distanz. Sexualität und Nicht-Sexualität. BDSM und „Normal“. Stärke und Verletzlichkeit. Begehren und Vermeidung. Körperlichkeit und Berührungslosigkeit.) Unterschiede müssen nicht beseitigt werden, damit Verbindung möglich wird. Im Gegenteil: Wenn wir unsere Eigenart kennen und die anderer respektieren, müssen wir einander weniger verändern. Dann wird Unterschiedlichkeit zur Ressource. Dann müssen wir nicht mehr darüber entscheiden, welcher Mensch „richtig“ ist: Dann können wir neugierig werden.
Zusammen neue Wege gehen
Unsere Vision ist deshalb größer als eine einzelne Methode: ATMA Touch® ist ein Beitrag zu einer Kultur, in der Menschen ihren Körper bewohnen können, ohne ihn anderen zur Verfügung stellen zu müssen. Zu einer Kultur, in der Grenzen nicht als Ablehnung, sondern als Orientierung verstanden werden. Zu einer Kultur, in der Sexualität nicht von Scham und Gewalt getrennt gedacht werden muss, sondern von Selbstbestimmung. Zu einer Kultur, in der Verletzlichkeit nicht Schwäche bedeutet. Und Hilfe nicht Abhängigkeit erzeugt. Zu einer Kultur, in der wir nicht nur lernen, mit den Folgen von Gewalt zu leben: Sondern die Bedingungen verändern, unter denen Gewalt entstehen und weitergegeben werden kann.
Frieden in uns selbst und Frieden zwischen uns gehören zusammen. Deshalb beginnt Veränderung im Körper. Und sie endet dort nicht. Das Ganze muss verändert werden.
Kontakt
Institut ATMA – Sensibilisierung von Körper und Seele
Mag.a Atma M. Pöschl
Hütteldorfer Strasse 329/2/4
A-1140 Wien
UID: ATU 65403556
Mail: kontakt (at) institut-atma.at
Web: www.institut-atma.at

